Homeschooling im Homeoffice

Eine Reportage

Es ist sieben Uhr am Morgen. Zeit zum Aufstehen. Fertig machen und frühstücken. Die Große geht in ihr Zimmer: PC hochfahren. Ist schon jemand online? Nein. Dann nochmal eben den Vertretungsplan gecheckt, ob weitere Aufgaben hochgeladen wurden oder es neue Infos zu technischen oder anderen allgemeinen Dingen gibt.

Die erste Stunde startet um 8 Uhr. Pünktlich wie auf den Gong eröffnet der Lehrer das Webinar. Jetzt heißt es in den virtuellen Raum eintreten, Mikrofon und Kamera an: Guten Morgen! Mikrofon aus und der Unterricht beginnt. Das hat schonmal gut geklappt. Weiter geht`s: Ich setze mich auch an den Schreibtisch, um zu arbeiten. Es ist eine Stunde Zeit. Dann beginnt der Tag für die Kleine: aufstehen, fertig machen, frühstücken. Heute heißt es auch für sie: Webinar. Schnell noch die Software auf einem Laptop installiert.

Zumindest technisch brauchen wir keine Bedenken haben. Dank Breitband können wir alle zeitgleich stabil ins Netz, jeder an seinem eigenen Endgerät. Aber die Aufregung ist groß, die Anspannung greifbar: Die Lehrerin und Mitschüler am Bildschirm zu sehen ist doch was ganz anderes als natura im Klassenzimmer. Ich nutze die Dreiviertelstunde, um mit meiner Arbeit weiter zu machen. Immer ein Ohr bei der Kleinen, weil sie neben mir sitzt. Ich bin viel zu sehr abgelenkt. Arbeiten? Eher nicht.

Bei der Großen klappt das Scannen nicht: PC nicht im Netzwerk. Warum? Erstmal egal! Schnell von meinem Laptop gescannt, auf dem Stick gespeichert, damit sie es hochladen kann. Und meine Arbeit bleibt unterbrochen: Die Online-Stunde der Kleinen ist vorbei und sie braucht eine Verschnaufpause. Eigentlich müsste der Tagesplan mit Deutsch und Englisch abgearbeitet werden. Aber online war zu anstrengend.

Doch es muss weitergehen: Für mich steht ein Call an, der noch eben vorbereitet werden muss und mit einem Tool durchgeführt wird, das ich nicht kenne. Also lieber früher einwählen und sicherstellen, dass die Verbindung steht. Die Kleine soll die Hausaufgaben alleine probieren, wir gehen alles einmal durch: Schreiben auf dem Arbeitsblatt, eine andere Aufgabe im Arbeitsheft, neue Englischvokabeln mit der App auf dem Tablet üben. Für eine Stunde tauche ich ab, in der Hoffnung, dass das mit den Hausaufgaben so klappt oder sie sich so lange selbst beschäftigt. Die Große ist nicht zu sehen, hat mit den Webinaren zu tun. Das passt.

Nach meinem Call: Die Hunger-Rufe werden lauter. Zeit zum Mittagessen. Also schnell was gemacht. Danach werden die Hausaufgaben kontrolliert: Englisch und Deutsch zweite Klasse, Mathe sechste. In Englisch müssen wir noch was gemeinsam machen, die Mathehausaufgabe muss ich einscannen. Ach ja, da war ja was: heute Abend die Scansoftware neu aufspielen. Aber zuvor noch ran an die Arbeit. Es ist mittlerweile halb vier am Nachmittag und in Summe habe ich zwei Stunden gearbeitet. Wie schnell der Tag doch vergeht und heute lief es eigentlich wie am Schnürchen. Was so viel bedeutet: Die Technik lief, die Aufgaben waren alleine machbar, die Gemüter sind entspannt. Das ist nicht selbstverständlich.

Die Mädels sind für heute fertig. Nun müssen sie sich irgendwie beschäftigen, verabreden geht ja nicht. Und jetzt fängt mein Arbeitstag aber wirklich an. Wie gut, dass ich selbstständig bin und meine Zeit frei einteilen kann. Fenster putzen und bügeln verschieben wir auf nach Corona.

P.S. Wie heißt es so schön: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Herzattacke kam noch: Der Laptop der Großen fuhr am Abend nicht mehr hoch. Fehler konnte behoben werden. Aber wäre das am Vormittag passiert …

Geschrieben für lokalkompass.de.

 

 

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