Gendern – Muss das sein?

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Gendern – Muss das sein?

Gendergerechte Sprache meint die Berücksichtigung des Geschlechts in der geschriebenen und gesprochenen Sprache. Ich frage mich: Muss das sein?

Grundsätzlich fühle ich persönlich mich als Frau auch angesprochen, wenn ein Text mit dem sogenannten generischen Maskulinum formuliert wird, dem geschlechtsunabhängigen Gebrauch der männlichen Form. Will konkret heißen: Ich fühle mich inbegriffen, wenn die Rede vom Bürger ist.

Sowohl im Text als auch beim gesprochenen Wort empfinde ich es mitunter als störend, beide Geschlechter anzuführen. Ja, die deutsche Sprache ist variantenreich und bietet viel Raum für kreative Formulierungen. Schließlich bin ich Germanistin, kann mit Sprache spielen und das beurteilen. Aber so richtig Spaß macht es mir nicht, immer auch auf eine korrekte geschlechtergerechte Ausdrucksweise zu achten, da es meinen Fluss unterbricht, oft negativ beeinflusst, eine holprige Schreibe/Artikulation zur Folge hat.

Notwendig oder überzogen? Divers diskutiert!

Aber gehen wir einmal weg von persönlichen Befindlichkeiten und nehmen zur Beantwortung der Ausgangsfrage „Muss gendern sein?“ verschiedene Blickwinkel ein. Beispielsweise den des Dudenverlags:

In diesem Jahr, 2021 ändert der Duden online alle Personen- und Berufsbeschreibungen, nimmt jeweils die weibliche Bezeichnung mit auf – und das sind 12.000 an der Zahl. Damit soll der Diversität Rechnung getragen werden, der vielfältigen Gesellschaft, in der wir leben. Der Linguist Peter Eisenberg sieht darin einen „klaren Verstoß gegen feststehende Regeln im Standard-Deutschen“, wie er Anfang des Jahres in einem Interview dem NDR sagte, der Duden schaffe das dem Deutschen eigene generische Maskulinum ab.

Sprache verbindet

Wie sieht es in der Umsetzung aus? Das Institut für Kommunikation und Medien an der Hochschule Darmstadt und die F.A.Z. haben bei den DAX- und MDAX-Unternehmen nachgefragt. Das Ergebnis: 16 der 30 DAX-Konzerne gendern oder wollen es zukünftig umsetzen. Um damit ihre diskriminierungsfreie Arbeitsumgebung zu unterstreichen. (Stand März 2021)

Aktualisierung im Mai 2021: Nun berichtet die F.A.Z., dass DAX-Konzerne versuchen, das Gendern zu umgehen. Das Medium bezieht sich auf eine durchgeführte Studie. So gendern ca. 30 Prozent der Unternehmen, 55 Prozent vermeiden und der Rest lässt es komplett.

Und wieder aktualisiere ich, denn auch die Welt berichtet am 05.07.2021, dass jede dritte Firma die genderneutrale Sprache verwende und beleuchtet zudem, wie es sich in der externen im Vergleich zur internen Kommunikation verhält: Hier klaffe es extrem. Laut einer Befragung von Ifo-Institut und der Zeitarbeitsfirma Randstad würden 35 Prozent der Unternehmen nach außen gendern, nach innen seien es 25 Prozent. Eine spitze Meinung: Wie diskriminierend den eigenen Mitarbeitern gegenüber – Zweiklassengesellschaft.

Weiter mit der Wissenschaft: An der Universität Kassel kann ein Nicht-Gendern in schriftlichen Arbeiten negativ in die Bewertung einfließen, wie in einem Bericht im Online-Portal der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine zu lesen ist. Hintergrund: Alle Menschen sollten sich einbezogen fühlen. Das führte zu einer Diskussion, in der aus rechtlicher Sicht gar das Urteil „rechtlich unvertretbar“ resultierte.

Das Bundesgleichstellungsgesetz verpflichtet alle Ministerien zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch, mit der Begründung, da es keine geschlechtsneutrale Politik gäbe.

Gendern – ein heißes Thema

Das Thema ist ein viel besprochenes, ein tiefgründiges, politisches, ethisches. Wenn man es rein inhaltlich betrachtet, muss gendern doch oft auch sein. Dazu was zum Schmunzeln am Rande und zum Schluss:

Sagt der Mann zur Frau: Schatz, einer muss mal das Klo putzen.
Darauf die Frau zum Mann: Danke, das ist lieb von Dir. Eine hat nämlich was Besseres zu tun.

P.S.: Toll fände ich, wenn wir hier nicht (wieder) auf einen Anglizismus zurückgreifen. Geschlechtergerecht oder geschlechtersensibel sind gängige deutsche Bezeichnungen. Leider ziemlich lang und behäbig. Eine Wortneuschöpfung wäre hierzu doch mal interessant!

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